Erfahrungsbericht einer Frühchenmama - zum Weltfrühgeborenentag

„Sie bekommen ein Frühchen“. Ein Satz, der sich neben der Hiobsbotschaft am 22. März 2016, dass unsere kleine Maus einen Tag später per Kaiserschnitt geholt werden sollte – genau 6 Wochen vor dem errechneten Geburtstermin – für immer in unsere Seele eingebrannt hat.

Als Eltern fiebert man förmlich der magischen Grenze der 37. SSW entgegen, ab der ein Baby kein Frühchen mehr ist. Und nun erwischte es uns eiskalt. Eine Schwangerschaftsvergiftung konnte nicht ausgeschlossen werden, die Maus lag mit dem Kopf nach unten im Becken, Fruchtwasser war kaum vorhanden und der letzte Ultraschall ergab sehr schlechte Werte – die Ärztin wollte nichts riskieren. Einen Tag später kam unsere Maus auf die Welt und wurde sofort in die Neonatologie gebracht. Nur einen kurzen Blick durfte ich im OP auf sie werfen, da alles ganz schnell gehen musste. Aufgrund eines späten Kaiserschnitts am Nachmittag konnte ich sie erst am Tag darauf das erste Mal besuchen.

Die Aufregung als wir zum ersten Mal in der Neonatologie durch die „Schleuse“ mussten und instruiert wurden, wie wir uns zu verhalten und wie wir uns unsere Hände zu desinfizieren hätten, werde ich nie vergessen. Und dann der erste Blick auf unsere Maus im Brutkasten! Da lag sie mit ihren 1740 g und 42 cm, mit Mini-Mützchen, warm eingepackt, mit Schläuchen und Kabeln überall und Apparaten um sie herum, die in unseren Ohren bedrohliche Geräusche machten und besorgniserregend oft piepten. Zunächst durften wir mit unseren Händen durch die Öffnungen des Brutkastens und sie streicheln. Wie war ich nervös, dass ich ihr irgendwie weh tun könnte! Sie war so klein und die Haut war ganz blaß und zart. Die Hände meines Mannes wirkten einfach riesig neben ihr. Eine ganze "liebe" Schwester erklärte uns alle Geräte und den Umgang mit einem Frühchen. Und dann kam der Moment des ersten richtigen Körperkontakts. Die Schwester nahm unsere Maus aus dem Brutkasten und legte sie mir auf die Brust. Ich traute mich nicht, mich zu bewegen und atmete ganz flach. Die Angst war zu groß, dass irgendein Schlauch oder Kabel abgehen könnte.

Ein paar Tage später konnte ich darüber schon fast lachen, denn unter fachmännischer Anleitung lernten wir, sie trotz Kabel, allein zu wickeln, durch die Magensonde füttern und selbständig aus dem Brutkasten zu nehmen. Nach einer Woche auf der Intensivstation ging es für uns schon auf die Nachsorgestation der Neonatologie, wo ich zwei Wochen lang mit unserer Maus blieb. Dort lernte ich sie komplett allein zu versorgen. Auch abgegangene Kabel waren kein Problem mehr: Die klebte ich einfach wieder an die passende Stelle, wie die Schwester es uns gezeigt hatte.

Auf der Nachsorgestation machte ich viele neue Bekanntschaften, u.a. mit einer Mama, die mit ihren Zwillingen schon über 10 Wochen auf der Station war und noch einige Wochen bleiben musste, da es immer wieder Komplikationen gab. Da wurde mir so richtig bewusst, dass wir Glück im Unglück hatten und es uns noch viel schlimmer hätte treffen können. Ich war und bin einfach nur dankbar, dass unsere Maus alles so perfekt gemeistert hat und nun gesund und munter ihren Weg durchs Leben geht.

Unser Dank für den tollen Artikel geht an Melanie. Wir wünschen Ihrer Familie für die Zukunft weiterhin alles Gute! 🍀

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