RS-Virus - ein Grund zur Verunsicherung?

Das RS Virus - ein Grund zur Verunsicherung? 

 

Schlagzeilen über das RS Virus führen aktuell, neben der ständigen Angst vor Corona, zu Angst und Verunsicherung unter vielen Eltern.

Einige Eltern können mit dem Begriff „RSV“ oder „Respiratorischem Synzitial-Virus“ zudem Nichts anfangen und wissen auch nicht, dass diese Erkrankung bei Kindern für Ärzte schon sehr viele Jahre zum Alltag gehört.

Das RS-Virus ist einer der bedeutendsten Erreger von Atemwegsinfektionen bei Säuglingen, insbesondere bei Frühgeborenen und stellt in dieser Altersgruppe die häufigste Ursache von Erkrankungen des unteren Respirationstraktes (RSV-Bronchiolitis) und damit verbundenen Krankenhauseinweisungen dar.

 

 

 

Für wen ist RSV denn besonders gefährlich?

 

Für bestimmte Risikogruppen ist eine RSV-Infektion besonders gefährlich. Dazu gehören:

 

  •  Frühgeborene
  • Kinder mit Vorerkrankungen der Lunge 
  • Kinder mit angeborenen Herzfehlern, insbesondere Kinder mit vermehrter Lungendurchblutung
  • Erwachsene mit Vorerkrankungen des Herzens und/oder der Lunge
  • Alle immunschwachen und immunsupprimierten Personen,  z.B. nach Transplantationen, unter Chemotherapie, … 

 

 

Gibt es bei einer RSV-Infektion vorbeugende Maßnahmen?

 

Hygiene- und Schutzmaßnahmen

  • Händewaschen/-desinfizieren
  • Kontakt zu Personen mit Luftwegsinfektionen vermeiden
  • Stillen
  • Rauchen vermeiden

 

Passive Immunisierung 

Verabreichung von Antikörpern i.m. von speziellen Risikopatienten im Abstand von 4 Wochen über die gesamte Virussaison.

Wichtig: Auch passiv gegen RSV immunisierte Kinder können vorübergehend Überträger von RSV sein, da die Antikörper nicht die Infektion der oberen Luftwege verhindern

 

 

Welche Maßnahmen helfen bei einer RSV-Infektion?

 

Bei stabilem Kind Zuhause:

  • Oberkörperhochlagerung
  • Gabe abschwellender Nasentropfen
  • Feuchtinhalationen mit Kochsalz

 

Bei instabilem Kind in der Klinik (stationär), zusätzlich mittels:

  • Monitorüberwachung
  • Sauerstoffgabe
  • Inhalation von Adrenalin, ggf. zusätzlich bronchienerweiternde Medikamente
  • ggf. Atemunterstützung/Beatmung
  • Flüssigkeitssubstitution via oraler Magensonde bzw. intravenös
  • ggf. intravenöse Antibiotikatherapie (bei bakterieller Superinfektion)

 

 

Ab wann muss ich mit meinem Kind dringend zum Arzt?

 

Bei Verschlechterung 

  • des Allgemeinzustandes (sinkende Trinkmengen, schlappes Kind,…)
  • der Atmung (schnelle, unregelmäßige Atmung, Atemaussetzer, Husten bis zum Erbrechen, …) 
  • oder des Kreislaufes (zunehmende Blässe, marmorierte Haut, …) 

solltet ihr euch mit eurem Kind sofort in einer Kinderklinik vorstellen!

 

 Warnzeichen:

  • Petechien (punktförmige, nicht wegdrückbare Hauteinblutungen)
  • unstillbares Erbrechen/Durchfall
  • Austrocknungszeichen (trockene Windel, stehende Hautfalten, trockene Schleimhäute,...)
  • Nackensteifigkeit 

 

Warum ist die RSV-Infektion dieses Jahr besonders verbreitet?

 

Durch die während der Corona-Pandemie vom Herbst 2020 bis ins Frühjahr 2021 durchgeführten Hygiene- und Lockdown-Maßnahmen mit Kita-Schließungen und Besuchseinschränkungen hatten Säuglinge und Kleinkinder deutlich weniger Kontakt untereinander. Die letzte „RSV-Saison“ fiel quasi komplett aus.

Nach Lockerung dieser Maßnahmen kommt es nun zu deutlich erhöhten Fallzahlen, da sich die Kinder wieder mit RSV infizieren und dementsprechend krank werden. In der Regel bekommt jedes Kind in den ersten zwei Lebensjahren eine RSV-Infektion. 

Jeden Winter werden sie dann "natürlich geboostert", wodurch die Infekte mit den für das Immunsystem bekannten Erregern milder werden. Wegen der fehlenden Boosterung gibt es nun auch schwerere Verläufe bei Kindern im Alter bis vier Jahre. Mitunter auch bedingt durch den verhältnismäßig kalten und regnerischen Sommer, zeigten sich dieses Jahr bereits im Spätsommer die ersten RSV-Infektionen. Aktuell müssen deutlich mehr Kinder als sonst stationär behandelt werden. Und das, obwohl der Winter, mit nachweislich deutlich erhöhter Infektneigung, sozusagen „noch vor der Tür steht“ und aufgrund des Kinderfachpflegemangels in den Kinderkrankenhäusern immer weniger Behandlungsbetten zur Verfügung stehen. Schon jetzt ist es sehr mühsam, die kleinen Patienten überhaupt stationär unterzubringen. Um eine entsprechende Behandlung gewährleisten zu können, müssen die Kinder teilweise in weit entfernten Kliniken untergebracht werden.

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