Wie schaffe ich es meine Ängste nicht auf mein Kind zu übertragen?

Wir als Eltern schauen auf unsere Kinder und versuchen zu verstehen, was sie ausdrücken wollen - und auch unsere Kinder schauen auf uns und nehmen wahr, wie wir als Eltern diese Situationen einschätzen.

Gerade wenn die Kinder sich auf Erkundungstour begeben und Dinge erklettern, werden viele Ängste bei Eltern aktiviert und vielleicht könnt ihr es als Mutter oder Vater kaum aushalten, das eigene Kind allein probieren zu lassen. Natürlich kann es passieren, dass euer Kind mal purzelt, aber dafür sind wir Eltern ja da, dafür zu sorgen, dass die Gefahr überschaubar und die Höhe entsprechend des Alters des Kindes angepasst ist. Wenn das Kind von einem Podest z.B. runterrollt oder purzelt oder hinfällt (mit Matten abgesichert) lernt es ganz wesentliche Dinge, nämlich, dass es Acht geben muss und dass man von etwas herunterfallen kann. Unsere Reaktion darauf entscheidet oft, wie das Kind die Situation bewertet. Stürze ich sofort hin und reiße das Kind an mich, erlebt es das Gewesene als bedrohlich, als schlimm und wird mit Sicherheit anfangen stark zu weinen und auf Dauer vielleicht weniger wagen. Zu seinem eigenen Schreck kommt dann noch das plötzliche "Hochgerissen werden" und der große Schreck von Mama oder Papa, den das Kind wahrnimmt. Wie anders ist es, wenn ich erst einmal nur freundlich zu dem Kind schaue und abwarte, ob es für das Kind schlimm war und mich, wenn es weint, behutsam nähere, es streichele und mit ihm spreche "oh ja, ich habe gesehen, dass du da runter gepurzelt bist. Da hast du dich ganz schön erschrocken/hast du dir weh getan/ den Kopf gestoßen/..." Das Kind ruhig auf dem Arm halten und beruhigend mit ihm sprechen, selbst tief durchatmen. Dann erlebt das Kind, dass auch das mal dazu gehört und spürt weiter Ermutigung und Vertrauen durch die Eltern.

Was hilft mir als Mutter/Vater mit meinen Ängsten umzugehen? Blicke zurück auf deine eigene Kindheit: wie hast du Bewegung erlebt? Waren deine Eltern ängstlich? Überfürsorglich? Oder durftest du erkunden und auf den Baum klettern und wilde Sachen machen und hattest das Gefühl, deine Eltern vertrauen dir? Vielleicht waren Mutter und Vater ja auch unterschiedlich? Die Erkenntnis, wie ich geprägt bin, kann mir als Elternteil helfen, mich vielleicht von Ängsten zu lösen und meinem Kind mehr zuzutrauen. Vertrauen schenken, tief durchatmen und das eigene Kind genau beobachten: wie geht es denn mit Höhe um? Ist es vorsichtig? Wie hält es sich fest? Wie schlimm wäre es denn, wenn es da fallen würde? Meist sind es ja geringe Höhen bei den Kindern und wir sorgen für Sicherheit in Form von Schurwollunterlagen oder Polstern.

Wenn das Kind allerdings z.B. auf den Esstisch klettert, dann ist die Angst natürlich berechtigt und wir holen das Kind da auch wieder herunter mit den Worten: "Oh, da habe ich Angst, deshalb hole ich dich da wieder runter und lege die Stühle alle flach, damit du nicht mehr darauf klettern kannst." Nach Emmi Pikler verzichten wir auf Aussagen wie "dafür bist du noch zu klein", " Das kannst du noch nicht" oder " Das ist zu gefährlich", sondern sprechen dann nur von uns und dass es uns als Mutter oder Vater gerade zu hoch ist oder wir Angst haben. Das gilt auch, wenn die Kleinkinder auf die Bäume klettern... Wir wissen ja gar nicht, was die Kinder alles könnten...

Danke Tanja!  Tanja Knoke ist Dipl.-Pädagogin und berät in ihrer Praxis in Stuttgart Eltern zum Thema Beziehung zu ihren Kindern. Tanja ist SpielRaum-Leiterin nach Emmi Pikler und unsere Expertin im bald verfügbaren Online Kurs zum Thema Spielraum. ❤️

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