Lob, Anerkennung, Wertschätzung

Kinder wollen nicht gelobt werden, sie wollen gesehen werden… sagt Jesper Juul, der kürzlich verstorbenen Familientherapeut und Buchautor.

In der Tat ist die Frage ja immer, was loben wir denn? Wenn die Kinder das von uns gewünschte getan haben? Wenn sie fragen „Mama, wie war das?“ Damit zeigen sie ja bereits, dass sie gelernt haben, die Bewertung von den Eltern abhängig zu machen und sich nicht mehr nur für sich selbst freuen.

Was können wir denn sagen statt immer „Super, toll, spitze,….“ ? Wie können wir wirkliche Wertschätzung ausdrücken? Wieviel brauchen denn die Kinder wirklich?

1. Mitfreuen

Natürlich freuen wir uns mit dem Kind, wenn es etwas geschafft hat. Und natürlich wird jeder auch zurückstrahlen, wenn das Kind uns anstrahlt und etwas geschafft hat.

Warum müssen wir dann überhaupt sagen „Das hast du toll gemacht“ oder „Super“ und in die Hände klatschen? Reicht es nicht völlig aus, strahlend zu sagen: „Ja, ich sehe dich…“ oder „Oh, ich habe gesehen, dass du es geschafft hast/dass du gerutscht bist/dass du ganz hoch gekommen bist.“? Oder „Das macht dir richtig Spaß, oder?“

2. Dem Kind helfen, die eigene Freude oder Stolz wahrzunehmen

Vielleicht ist es auch eine Alternative, dem Kind zu sagen „ …ach, da bist du aber stolz, dass du es geschafft hast, oder?“ Kinder haben einen natürlichen Drang zur Erkundung, sie kommen mit einer schier unerschöpflichen Energie auf die Welt, Dinge ausprobieren zu wollen. Das, was sie tun, bereitet ihnen (meistens) Freude und erfüllt sie selbst mit Zufriedenheit und stolz. Diese eigene Wahrnehmung sollte gestärkt werden, denn das ist der beste Antrieb für ausdauerndes Tun und die Motivation zum Lernen. Die Leistung erbringt das Kind in erster Linie für sich selbst und nicht für uns. Dann könnte man das Kind auch nach seiner Selbsteinschätzung fragen: „Wie gefällt dir denn dein Bild/das Gebaute/das Klavierstück?“ und sich für die Erfahrungen der Kinder interessieren: „was hast du denn da gemalt? Oder „woher hast du denn diese Idee?“,…

3. Die Anstrengung wertschätzen und nicht (nur) das Ergebnis

Auch loben wir oft nur das Ergebnis (beispielsweise, wenn das Kind gesprungen ist oder den Turm gebaut hat). Dabei ist die Anstrengung etwas zu erreichen ja das eigentlich Wichtige. Auch gerade im Hinblick auf die Schule sollten wir alle den Blick darauf richten, wann sich das Kind anstrengt und vielleicht auch mal einen Misserfolg hat und das wertschätzend begleiten „Oh das ist schwer, ich sehe, wie du dich anstrengst…“, „Mensch, du versuchst es immer wieder, du gibst nicht auf…“ Das kann das Kind für die Zukunft ermutigen, auch mit schwierigen Situationen klar zu kommen und nicht gleich alles hinzuschmeißen. Oft muss man sich mit Dingen länger abmühen (Vokabeln, Einmaleins, …), bevor ein Erfolgserlebnis da ist.

Diese psychische Grundstruktur erlernen die Kinder in den ersten Jahren. Je nachdem, ob sie erfahren haben, dass sie mit Anstrengung etwas erreichen können und dass ihre Eltern das wertschätzen oder aber, ob sie immer für alles gleich gelobt wurden und es nichts „wert“ ist, wenn man dafür nicht gleich ein Lob bekommt (wie in der Schule bei 25 Schüler*innen), bleiben sie dran oder geben schnell auf und sind frustriert.

4. Eigene Gefühle und Wertschätzung ausdrücken

Es berührt Ihr Kind viel mehr, wenn Sie im Gespräch mit ihm Ihre eigenen Gefühle oder Ihre eigene Freude ausdrücken „Die Farben in deinem Bild gefallen mir besonders gut.“ Oder „Das hat mich sehr gefreut, dass du mir geholfen hast.“ Oder „Danke, dass du deine Spielsachen mit deinem Freund geteilt hast. Da hat er sich gefreut und ich mich auch.“ als so allgemeine Aussagen wie: “Das hast du toll gemacht“ oder „Du bist ein toller Sportler/Maler/…“,…

Durch diese Ich-Botschaften wird der Boden bereitet für eine authentische Beziehung, eine echte Verbindung, in der Ihr Kind sich immer noch selbst wahrnehmen kann und auf Ihre ehrliche Aussage vertrauen kann.

 

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